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2025 - Pfade und Wegweiser

Wann

25.Juli bis 15.August 2025

Wo

Galerie Helmut Hable, Straden

Kuratoren Text


Die Ausstellung bewegt sich zwischen ihrem Container, dem ZwischenLand, und dem Thema, das sie dieses Jahr umkreist: „Pfade und Wegweiser“. Sie beginnt ganz selbstverständlich mit der Art und Weise, wie die eingeladenen Künstler:innen auf unsere Anfrage reagiert haben. Ihre Antworten, ihre Konzepte und vorgeschlagenen Werke spiegeln allesamt jenen Raum zwischen dem, was sie im Leben, nicht nur im Beruf, inspiriert hat – den Wegweisern – und den Entscheidungen, den konkreten Pfaden, die sie daraufhin eingeschlagen haben. In diesem Raum können viele, oft auch umkehrbare Geschichten nebeneinander bestehen, Wege, die immer die Möglichkeit neuer Richtungen in sich tragen.
Die Ambition war es, gemeinsam eine Reflexion über die Gründe unserer Entscheidungen anzustoßen, über die Verbindung, die zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft manchmal ganz scharf fokussiert werden kann, gerade in einer Zeit, die sich mehr und mehr in ein hier und jetzt aufzulösen scheint, ohne Erinnerung, ohne Perspektiven, abgesehen von jenen, die oft losgelöst vom wirklichen Leben in die sozialen Medien ausgelagert sind.
So kamen Geschichten und Gedanken zusammen, in denen etwa das Lächeln eines Kindes, dessen Ankunft ein Leben vollkommen umgekrempelt hat, plötzlich wieder auftaucht – dieses Lächeln, das Prioritäten verschiebt und die Schönheit und die Ernsthaftigkeit des Spiels neu begreifbar macht. Es ist die Kindheit selbst, die in Erinnerung gerufen wird, eine Welt, die man immer bei sich trägt, auch wenn man es kaum merkt. Da ist die Wahl, keinen eindeutigen Weg zu wählen, viele Wege gegangen zu sein, um dann irgendwann zu erkennen, dass der eigentliche Weg längst da war und auf einen gewartet hat. Oder die Entscheidung, keinen Weg zu wählen und stattdessen alle begangenen Wege zu einem Zuhause zu machen.
Manchmal führen diese Geschichten auch zurück zu Pfaden, die man einmal verlassen hatte, ohne die Bitterkeit, Zeit verloren zu haben, denn es gibt einen richtigen Moment für alles. Dann wird entdeckt, dass hinter den bloßen Erscheinungen eine unsichtbare Welt liegt, dass man die Magie unseres Lebens annehmen muss, sonst zeigt sie sich nicht. Und so wird erzählt, dass man nie aufgehört hat, seine Träume zu verfolgen, selbst wenn sie gebrochen scheinen, weil sie nie endgültig zerbrechen.
Immer wieder zeigt sich auch die Freude daran, sich in die falsche Richtung zu verirren, der Fehler, auf dem man glücklich weitersegelt. Manche haben in der Natur, in Bäumen, Rinden und Blättern jene Lehrer gefunden, nach denen sie suchten. Erinnerungen sind zu einem Wiegenlied geworden, zu einem Gesang, der die Kostbarkeit jedes Augenblicks sichtbar macht – trotz allem.
Und so wird deutlich, dass eine Art tiefer Leichtigkeit, die vielleicht paradox klingt, doch zu einem roten Faden in dieser Ausstellung geworden ist. Sie ist auch ein Wesenszug der zeitgenössischen Schmuckkunst, die oft das Spiel mit der Form liebt, getragen von der Präzision des Handwerks.
Ganz folgerichtig findet der eigentliche Weg der Ausstellung seinen fröhlichen, spielerischen Abschluss im „magischen Wald“, einem Gemeinschaftswerk der Schüler:innen der Mittelschule Straden. Sie haben bunte Kreaturen aus Wegwerfmaterialien gebaut und in Bäume verwandelt, die – wie in der Natur – ihre Kraft und Schönheit gerade daraus beziehen, dass sie gemeinsam entstehen.
Eine fotografische Arbeit lenkt den Blick auf andere Zwischenräume: zwischen Disziplinen, denn die Autorin ist nicht nur Fotografin, sondern auch Goldschmiedin und Szenografin; zwischen Arten der Beobachtung, die Spektakel und Intimität der Natur gegenüberstellen; zwischen Räumen, da die Fotografien auf der Treppe die Ebenen der Galerie verbinden und trennen, so wie jede Grenze zwei Seiten voneinander abgrenzt. Die Wegweiser sind hier ganz konkret – die Schilder und Zeichen, die uns alle täglich umgeben und die durch die Fotos neu sichtbar gemacht werden.
Im Obergeschoss schließlich zieht eine Serie von sechs Radierungen des alten Meisters F. E. Weirotter die Aufmerksamkeit auf sich und auf das Motiv der „Grand Tour“ des 18. Jahrhunderts, in der Wege und Wegweiser nicht nur als reale Reisewege, sondern auch als Metaphern für Bildungsreisen und das Sammeln von Erfahrungen betrachtet wurden. Diese Arbeiten treten in einen stillen Dialog mit den Werken von Alois Krug und Helmut Hable: der eine nähert sich den alten Kanons in einer fast klassischen Form, der andere bringt eine Leichtigkeit in die Ausführung, in der die Wege spontan im kreativen Prozess entstehen, aus einem ersten Kratzen heraus, das selbst zum Wegweiser wird, von dem aus die endgültigen Bilder wachsen. In beiden Fällen spielt die technische Dimension eine zentrale Rolle, weil Grafik immer eng mit handwerklicher Fähigkeit verbunden ist und dabei unzählige Möglichkeiten bietet, sich neu zu entscheiden, neue Wege zu beschreiten.
Es ist vielleicht kein Zufall, dass Grafik der Kunstform der Goldschmiede am nächsten steht – nicht nur wegen der Arbeit mit Metallen und der Bedeutung des Handwerks, sondern wegen ihres geradezu „entheiligenden“ Wesens, das Freiheit im Denken und in der Form ermöglicht. Auch hier zeigt sich also das Potenzial, immer wieder neue Welten hervorzubringen.
Am Ende haben all diese Stimmen, so unterschiedlich sie sein mögen, einen gemeinsamen Klang gefunden. Statt sich in disziplinären Käfigen abzuschotten, legen sie Berührungspunkte offen, schaffen ein Gefühl von Gemeinsamkeit. Dieses Gefühl wollten wir auch mit der Tonspur der Ausstellung einfangen – Worte, Klänge und Stillen, gesammelt aus vielen Sprachen und vielen Momenten, alle entstanden aus der einfachen Frage: „Was waren deine Wegweiser?“
Die Antwort auf solche Fragen, würde wohl ein großer Dichter sagen, weht irgendwo im Wind. Wir wünschen allen Besucher:innen, dass sie sie hören. Vielleicht spielerisch, so wie wir.

Maurizio Alampi (im Namen des Kuratorenteams)

Kunstinitiative

Ausstellungen, Konzerte, Workshops im Sommer des Vulkanlandes

Was zeigt uns den Weg? Was lässt uns zögern, umkehren oder neue Pfade beschreiten?
Pfade und Wegweiser war eine Einladung, über Entscheidungen, Richtungen und das Dazwischen nachzudenken. Zwischen Schmuck und Klang, Installation und Gespräch entstanden Räume – für Begegnung, Erinnerung und Orientierung.
Vom 25. Juli bis 15. August 2025 verwandelte sich die Galerie Helmut Hable in Straden in einen lebendigen Ort kultureller Teilhabe.
Internationale und lokale Künstler:innen, Kinder und Besucher:innen aller Generationen gestalteten gemeinsam dieses vielschichtige Projekt.

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